Pfarre St. Rochus Aachen-Oberforstbach
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Pfarrbriefe

62  und der Wert der Arbeit

62 – diese Zahl wurde Ende Januar von der Entwicklungsorganisation Oxfam veröffentlicht. Die reichsten 62 Menschen der Welt besitzen so viel wie die ärmere Hälfte, rund 3,6 Milliarden Menschen. Diese 62 reichsten Menschen der Welt besitzen rund 1.615 Milliarden Euro. Für diese Summe müssten 62 Menschen, die den deutschen Mindestlohn erhalten, rund 1,7 Millionen Jahre arbeiten. Sie hätten also zur Zeit des homo erectus, der ersten Menschengattung, die das Feuer beherrschte, beginnen müssen. Eine andere Relation: Der Bundeshaushalt beträgt rund 317 Milliarden Euro, ein Fünftel dessen, was 62 besitzen.

 
 
 
Pfingsten2016
 
 
 

So viel zum Wert der Arbeit. Dass es unterschiedliche Gehälter gibt, dass Menschen unterschiedlich viel verdienen und unterschiedlich viel besitzen, ist eine Selbstverständlichkeit. Man benötigt unterschiedliche Ausbildungen, manche Berufe bringen größere Verantwortung mit sich, von manchen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wird ein größerer Einsatz erwartet (wobei hoher Einsatz nicht automatisch ein hohes Gehalt bedeutet), um nur wenige Gründe für bestehende Gehaltsunterschiede zu nennen. Doch die Unterschiede haben inzwischen ein Ausmaß angenommen, das nur noch als himmelschreiende Ungerechtigkeit bezeichnet werden kann. Mit gravierenden Folgen: Oxfam ist besorgt, dass die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich alle Fortschritte bei der Bekämpfung von Armut und Hunger weltweit zunichtemachen könnte. Oder wie es Papst Franziskus sagte: Diese Wirtschaft tötet. Eine Ursache liegt – glaube ich – darin, dass in der Wirtschaftspolitik zu oft die falschen Ziele verfolgt werden: maßloses Gewinnstreben und ausufernde Gewinnmaximierung statt einem guten Leben für möglichst viele.

Warum erzähle ich Ihnen das? Es geht nicht um Neid, sondern um Gerechtigkeit. Denn die Unterschiede zwischen Arm und Reich werden von Jahr zu Jahr größer. Das Gesamtvermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung sank in den vergangenen fünf Jahren um rund eine Billion Dollar (oder um 41 Prozent), obwohl die Bevölkerung um 400 Millionen Menschen gewachsen ist. Gleichzeitig erhöhte sich das Vermögen der reichsten 62 Personen um mehr als eine halbe Billion Dollar. Oxfam weist in seinem Bericht nach, dass die Verschiebung von Vermögen durch reiche Einzelpersonen in Steueroasen die afrikanischen Staaten jährlich rund 14 Milliarden Dollar koste – damit ließe sich in Afrika flächendeckend die Gesundheitsversorgung für Mütter und Kinder sicherstellen, was pro Jahr rund vier Millionen Kindern das Leben retten würde. Diese Ungerechtigkeit ist – gerade für Christen – nicht hinnehmbar. Wir können vielleicht wenig oder gar nichts dagegen tun, aber darüber sprechen, informieren, die Ungerechtigkeit beim Namen nennen und öffentlichen Druck aufbauen, verändert vielleicht doch etwas. Und ich kann mir selbstkritisch die Frage stellen: In welchem Maße bin ich Teil dieses ungerechten Systems und wie viel kann ich daran ändern?

 

                                                                                                                                          Michael Tillmann

                               

 
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